Meinung

Ich blogge, also lese ich – Oder: Warum das alles?

In unregelmäßigen Abständen brandet in zahlreichen Blogs oder Feuilletons immer wieder die Rechtfertigungsdiskussion um Literaturblogs aufs Neue auf. Die Frage nach dem Sinn und Zweck der überall vorherrschenden Rezensionswut darf man ruhig einmal stellen. Für mich Gelegenheit, die eigenen Gedanken dazu zu sammeln und mich selbst zu hinterfragen.


Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht mit der Erkenntnis, dass mir ein Blog bislang zum Glücklichsein gefehlt hat. Statt dessen gab es Vorbilder – großartige Blogs, die ich über lange Zeit mehr lesend als kommentierend verfolgte und denen ich den einen oder anderen Buchkauf verdankte. Man ist nur Mensch; da liegt der Gedanke „Das kannst du auch!“ nahe und nur eine Frage der Zeit. Das war die Geburtsstunde der lesewucht.de. Wie das aber nun mal so ist bei „Me too“-Projekten überlagerte der Alltag die alsbald immer dünner werdende Leidenschaft und mein erster Blog erreichte nicht einmal seinen ersten mickrigen Geburtstag.

Nach der Desillusionierung ist vor der Sehnsucht – ein abermaliger Sinneswandel und schwarzaufweiss war geboren. Was war nun geschehen? Eine ganze Reihe von Dingen aber am ursächlichsten vermisste ich schlichtweg die intensive Auseinandersetzung mit dem Gelesenen. Bücher über Bücher wechselten sich unkommentiert und damit unreflektiert in meinen Händen ab. Darunter tolle, wuchtige Erscheinungen, die mir mit dem Zuklappen entglitten und sich anschließend nur noch im Regal stapelten.

Indem ich über Bücher schreibe, erfahre ich sie ein zweites Mal und mehr noch als das – ich arbeite ihre Essenz heraus und konserviere diese durch mein Schreiben. Der Blog ist damit nicht einfach nur Sprachrohr zur Öffentlichkeit, sondern höchst-individuelles Gedächtnis meiner Leseerfahrungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese persönliche Abarbeitung in höchstem Grade subjektiv ist und jede literaturwissenschaftliche Behandlung vermissen lässt. Das kann man bedauern und auch verurteilen aber zu mehr fehlen mir die wissenschaftlichen Methoden und auch die Motivation. Literatur und Bloggen sind für mich Ausgleich und Ergänzung zum Alltag und zur Arbeit – und damit per se eben ohne Professionalitätsdruck ausgestattet.

Es fühlt sich gut an, ein Buch zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Hand nehmen und die erste diffuse Erinnerung an das Gelesene verdichtet sich mit den durch sie hervorgerufenen Emotionen langsam zu einer Ahnung, wie dies nun in Worte gefasst werden könnte. Man stochert herum und schreibend verfestigt sich nach und nach die Grundstimmung und das Grundmotiv des Buches. Eben so wie ich es empfand. Manchmal gelingt das erstaunlich gut, manchmal allenfalls befriedigend aber dabei immer authentisch.

Bloggend bleibt so das abschließende Gefühl zurück, dem Buch näher gekommen zu sein als dieses durch ein reines Lesen möglich gewesen wäre. Schreibend eigne ich mir das Gelesene an und intensiviere und ordne meine Erfahrung, die ich nun in meinem digitalen Archiv ablegen kann. Und was kann es Schöneres geben, als wenn andere daran Interesse finden und ich ein von mir geliebtes Buch somit anderen ans Herz legen kann?!

  1. Mit der beschriebenen Intention zum Bloggen stimme ich völlig überein. Ich erweitere meine noch dahingehend, dass es oftmals nicht nur das Buch ist, was ich resümieren möchte, sondern auch die Gedanken, Anregungen und weiteren Reflexionen, die ich dem Buch verdanke und dann fast essayistisch weiter zu bearbeiten versuche. Schön gestaltet ist der Blog im übrigen auch. Frohe Ostern.

    • Lieber Thomas,

      Du hast vollkommen Recht. Ein Buch ist mehr als die Story, Charaktere und Stimmung. Wir setzen es in Verbindung zu unserer Lebenserfahrung, wir geraten ins Nachdenken, Träumen oder Trauern und noch soviel mehr. Gute Bücher lassen Dich nicht kalt.

      Dem nachzuspüren ist nicht immer leicht aber manchmal gelingt es schreibend. Wenn man dann noch Leser gewinnt, die einem darin zustimmen, ist es das größte Kompliment. Danke dafür!

      Und ich bin nun auch auf Deinen Blog aufmerksam geworden und werde mich bald einmal dort ausgiebig umsehen!

      Gruß
      Stefan

  2. Lieber Stefan,

    für mich ist das Bloggen ebenso ein zweites, oftmals wunderbares Erlebnis. Vielen Dank für diesen schönen Beitrag, den ich sehr gern gelesen habe.

    Liebe Grüße

    Nisnis

    • Liebe Nisnis,

      vielen Dank. Dein Lob ehrt mich sehr.

      Ich habe mich auch gerade auf Deinem Blog herumgetrieben und „Die Wohlgesinnten“ auf Deiner Wunschliste entdeckt. Eines meiner absoluten Favoriten! Lass es mich mal wissen, wenn Du es Dir zugelegt und gelesen hast!!

      LG
      Stefan

  3. Pingback: Bloggen bewahrt mich zu schreiben | SchwarzAufWeiss

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