25 Lieblinge

Im Laufe eines Leserlebens hält man zahllose gute Bücher in den Händen und erfreut sich an ihnen. Aber Bücher, die einem etwas bedeuten und die auch im Abstand vieler Jahre nichts von ihrer Strahlkraft verlieren, sind seltener. Welche Bücher das bei mir sind, möchte ich Euch hier vorstellen.

Bücher, die geblieben sind.

 

Auster, Paul: Mond über Manhattan

Ein junger Mann, dem alles entglitten ist – seine Zukunft, gar seine Identität. In einer symbolträchtigen Sprache erzählt Auster von zutiefst existenzialistischen Themen und lässt seine eigene Biographie immer wieder einfließen.


Boyle, T. C.: Drop City

Die Obrigkeit löst eine Hippiekommune auf. Anstatt sich aufzulösen, führt ihr Guru sie von Kalifornien in die Wildnis Alaskas. Unter all dem Witz und der Entspanntheit der Charaktere blitzen Abgründe auf, die nur Boyle so lapidar erschaffen kann.


Boyle, T. C.: Hart auf hart

Wieder Boyle. Das Thema dieses Mal: Das Recht des Einzelnen auf Autonomie. Ein faszinierender Einblick in einen Menschen, der sich jeder moralischen und gesellschaftlichen Unterordnung entzieht und für sein Recht auf Selbstbestimmung bis zum Äußersten geht.


Chatwin, Bruce: Traumpfade

Nur wenige Bücher erzeugen ein solches Fernweh. Chatwin nimmt den Leser mit auf seine Reise in die australischen Outbacks und tief in die Seelen- und Traumwelten seiner Ureinwohner.


Conrad, Joseph: Herz der Finsternis

Die Romanvorlage für Apocalypse Now. Ein junger Engländer wird von der Handelsgesellschaft in den Kongo geschickt, um den außer Kontrolle geratenen Elfenbeinhändler Kurtz zu finden. Die Suche nach Kurtz gerät zur Suche nach sich Selbst.


Doctorow, E. L.: Der Marsch

Kurz vor dem Ende des US-amerikanischen Bürgerkriegs hinterlässt General Sherman eine Schneise der Verwüstung in den Südstaaten. Befreit, aber heimat- und orientierungslos schließen sich tausende Schwarze dem Tross an, der längst jede Glorie verloren hat.


Eco, Umberto: Der Name der Rose

Kein historischer Roman wie jeder andere. Statt dessen Sittengemälde, philosophische und politische Abhandlung in einem. All das komprimiert in den Mikrokosmos einer Abtei des späten Mittelalters, die von einer Mordserie erschüttert wird.


Ellis, Bret Easton: American Psycho

Patrick Bateman: tagsüber erfolgreicher Börsenmakler, nachts sadistischer Serienmörder. Jahrelang auf dem Index für jugendgefährdete Schriften verbannt, wird es nun als das erkannt was es ist – eine unbequeme Sezierung der oberflächlichen Konsumgesellschaften.


Eugenides, Jeffrey: Middlesex

Eine Generationen überspannende Familiensaga wie sie nur Amerikaner schreiben können. Eugenides beschreibt die Sesshaftwerdung einer Immigrantenfamilie und schlägt den Bogen zum vernachlässigten Thema Intersexualität und den Problemen des Heranwachsens.


Fitzgerald, F. Scott: Der große Gatsby

New York in den Roaring Twenties. Wie kein zweiter fing Fitzgerald das lebensbejahende und berauschende Gefühl dieser Epoche ein. Mit dem geheimnisvollen Gatsby kreierte er zudem eine der bemerkenswertesten Figuren der modernen Literaturgeschichte.


Frisch, Max: Montauk

Max Frisch hat unglaubliche Bücher hinterlassen. Montauk ist eines seiner leisesten; und das mit Abstand persönlichste. Mir ist es das liebste.


Grass, Günter: Die Blechtrommel

Deutsche Literatur von Weltrang. Grass arbeitet den Wandel zwischen Nationalsozialismus und junger Bundesrepublik auf und erschafft ein Panoptikum, das seinesgleichen sucht. Die groteske Kunstfigur Oskar Matzerath ist seit langem Teil des kollektiven Kunstschatzes.


Greenway, Alice: Weiße Geister

Greenway widmet sich in ihrem Debütroman nicht weniger als dem Zerbrechen einer unschuldigen und unbeschwerten Kindheit. Leichter, zarter und erschütternder habe ich dies nie gelesen.


Guenassia, Jean-Michel: Der Club der unverbesserlichen Optimisten

Paris in den 1960er Jahren. Die Gesellschaft ist im Aufruhr: alle gesellschaftlichen Normen werden in Frage gestellt und der Algerienkrieg schneidet tief in die französische Seele und die Familie des heranwachsenden Michel.


Hesse, Hermann: Unterm Rad

Heimweh, Überforderung und die romantische Sehnsucht nach dem einfachen Leben. Unterm Rad ist ein Buch voller Melancholie, das wohl jeden angeht und jedem ans Herz gehen wird.


Irving, John: Owen Meany

Wer Die Blechtrommel liebt, wird auch Owen Meany lieben. Irving spürt seinem Vorbild Grass nach und lässt seine kleinwüchsige Kunstfigur die amerikanische Gesellschaft zur Zeit des Vietnamkriegs sezieren.


Kafka, Franz: Der Process

Ein Meisterwerk des Surrealismus. K. wird an seinem 30. Geburtstag verhaftet ohne jemals die Gründe dafür zu erfahren. Immer tiefer verstrickt er sich in das Räderwerk einer nicht greifbaren Bürokratie, die alles und jeden beherrscht.


Littell, Jonathan: Die Wohlgesinnten

Keine leichte Kost. Der Aufstieg des SS-Offiziers Aue ist eingebettet ist eine Collage aus fiktiven und realen Ereignissen, bevölkert von fiktiven und realen Personen. Nationalsozialisten werden nicht als Monster dargestellt, sondern als Karrieremenschen, die sich ihrer Mittel bedienen. Das macht es nicht leichter.


Mann, Thomas: Der Zauberberg

Vor der entrückten Kulisse eines Sanatoriums in den Schweizer Alpen entfalten sich die letzten Atemzüge des Bürgerlichen Zeitalters. Während die Betuchten in Davos ihre Zipperlein hegen und pflegen, rollt die Katastrophe des Ersten Weltkriegs unerbittlich heran.


McCullers, Carson: Das Herz ist ein einsamer Jäger

Ein Taubstummer wird zum Ankerpunkt einer Gruppe von Außenseitern. Voll flüchtiger Poesie beschwört McCullers einen Sommer in den Südstaaten, der vor Melancholie trieft und vor allem wunderschön zu lesen ist.


Murakami, Haruki: Naokos Lächeln

Tôru Watanabe ist hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen: der depressionsgefährdeten Naoko und der lebenshungrigen Midori. Unschlüssig gegenüber der Liebe und sich selbst streift er durch die Anonymität Tokios.


Nabokov, Vladimir: Lolita

Lolita hat auch heute noch vielfach den üblen Beigeschmack einer verherrlichenden Pädophilie. Wer sich dennoch auf das Buch einlässt, wird eines besseren belehrt und kommt in den Genuss eines der schönsten Road-Movies, die man lesen kann.


Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues

Wie kein anderer hat Remarque gegen die Gräuel und Schrecken des Ersten Weltkriegs und damit gegen alle folgenden Kriege angeschrieben. Eindrücklicher und beklemmender als Im Westen nichts Neues ist ihm das nie wieder gelungen.


Steinbeck, John: Tortilla Flat

Das einfache Leben. Steinbeck hat viele Bücher über dieses Thema geschrieben. Tortilla Flat habe ich als erstes gelesen und es ließ mich nie wieder los. Wer sich nach einer entschleunigten Lebensweise sehnt, sollte hier einen Blick riskieren.


Vann, David: Goat Mountain

Ein Elfjähriger erschießt auf einem Jagdausflug mit Vater und Großvater einen Wilderer – mit Absicht. Das Unvorstellbare wird zur Realität und nichts ist mehr, wie es vorher war. Selten hat mich ein Buch so in seinen Bann gezogen.